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Ablauf 25 Sep. 2024 · 5 Min. Lesezeit

Die operative Leistungsfähigkeit: Eine Priorität jenseits der Digitalisierung

SXE Consulting
Xavier Schuster · Berater bei SXE Consulting

In einer sich ständig wandelnden Welt, in der die Digitalisierung oft als Schlüssel zum Erfolg dargestellt wird, starten zahlreiche Unternehmen Projekte der digitalen Transformation in der Hoffnung, ihre Wettbewerbsfähigkeit zu verbessern. Es ist jedoch entscheidend, daran zu erinnern, dass die Digitalisierung, so notwendig sie auch ist, die Operative Exzellenz keinesfalls ersetzen kann. Bevor Unternehmen in fortschrittliche Technologien investieren, müssen sie zunächst sicherstellen, dass ihre internen Prozesse optimiert und in der Lage sind, diese neuen Werkzeuge zu unterstützen. Mit anderen Worten: Die Priorität der Unternehmen sollte nicht die Digitalisierung an sich sein, sondern die operative Leistungsfähigkeit.

Die Illusionen der Digitalisierung

Die Digitalisierung verspricht Effizienzgewinne, ein besseres Datenmanagement und eine grössere Reaktionsfähigkeit gegenüber den Anforderungen des Marktes. Diese Vorteile können jedoch nur dann voll ausgeschöpft werden, wenn das Unternehmen bereits über robuste und gut strukturierte Prozesse verfügt. Betrachten wir einige konkrete Beispiele, um diesen Punkt zu veranschaulichen.

Die Bestandsverwaltung: Ein Prozessproblem, kein Technologieproblem

Eines der wiederkehrenden Probleme in Unternehmen ist die Bestandsverwaltung. Es ist nicht selten, dass Führungskräfte über Überbestände klagen und hoffen, dass ein ERP-System (Enterprise Resource Planning) ihr Problem lösen wird. Ein ERP, so leistungsfähig es auch sein mag, kann jedoch keine ineffizienten oder schlecht konzipierten Bestellprozesse kompensieren. Das Problem der Überbestände ist nicht technologischer Natur, sondern liegt in ungenauen Bedarfsprognosen, einem schlechten Beschaffungsmanagement oder einer fehlenden Zusammenarbeit zwischen den Abteilungen. Ohne eine grundlegende Überarbeitung dieser Prozesse wird die Einführung eines ERP ein bestehendes Problem lediglich automatisieren oder sogar verstärken.

Die Auftragsgenerierung: Über das CRM hinaus

Ein weiteres typisches Beispiel sind Unternehmen, die Schwierigkeiten haben, Aufträge zu generieren. „Wir haben nicht genug Aufträge, unser CRM (Customer Relationship Management) funktioniert nicht wie erwartet.“ Das ist eine häufige Klage. Ein CRM ist zwar leistungsstark, um die Interaktionen mit Kunden zu verfolgen und zu organisieren, kann jedoch keine grundlegenden Probleme lösen, wie eine schlechte kommerzielle Positionierung, nicht wettbewerbsfähige Preise oder ein schlecht auf den Markt abgestimmtes Angebot. Ein CRM hilft, bestehende Verkaufschancen zu maximieren, aber es schafft keine Nachfrage, wo keine existiert. Damit das CRM wirksam ist, muss das Unternehmen zunächst sicherstellen, dass seine Vertriebsstrategie solide ist und dass seine Preise und Produkte den Bedürfnissen des Marktes entsprechen.

Die Produktion: Effizienz vor allem

Eine langsame Produktion ist eine weitere häufige Herausforderung. Viele Unternehmen investieren in Planungssoftware in der Hoffnung, dass dies ihre Terminprobleme lösen wird. Wenn jedoch die Produktionsprozesse ineffizient sind, unter Engpässen leiden oder die Produktionslinien schlecht organisiert sind, kann eine Planungssoftware nur mangelhafte Prozesse optimieren. Es ist wesentlich, zunächst die Ineffizienzen in der Produktion zu identifizieren und zu korrigieren – sei es die Anordnung der Werkstatt, die Schulung der Mitarbeiter oder das Management der Arbeitsabläufe –, bevor man versucht, sie zu automatisieren.

Die Digitalisierung: Ein Werkzeug im Dienst der operativen Leistungsfähigkeit

Die Digitalisierung sollte nicht als Wunderlösung wahrgenommen werden, sondern als Werkzeug, um die Effizienz eines bereits leistungsfähigen Unternehmens zu steigern. Es ist entscheidend zu verstehen, dass die Technologie, so wesentlich sie auch ist, gut konzipierte und gut ausgeführte Prozesse nicht ersetzen kann. Ein Unternehmen, das seine internen Abläufe vernachlässigt und sich ausschliesslich auf die Digitalisierung konzentriert, riskiert, dass seine Technologieinvestitionen enttäuschende Ergebnisse liefern.

Die Risiken einer schlecht vorbereiteten Digitalisierung

Eines der grössten Risiken einer überstürzten Digitalisierung ist der „garbage in, garbage out“-Effekt (Müll rein, Müll raus). Wenn die Prozesse eines Unternehmens fehlerhaft sind, werden diese Mängel durch die digitalen Technologien verstärkt. Beispielsweise kann ein schlechtes Datenmanagement selbst mit den fortschrittlichsten Systemen zu fehlerhaften Entscheidungen führen. Darüber hinaus kann eine übermässige Abhängigkeit von der Technologie die Aufmerksamkeit von den eigentlichen operativen Problemen ablenken, die menschliches Eingreifen erfordern.

Die Bedeutung von Schulung und Anpassung

Die Schulung ist ein weiteres entscheidendes Element der operativen Leistungsfähigkeit. Bevor ein Prozess digitalisiert wird, ist es wesentlich, dass die Mitarbeiter nicht nur die Funktionsweise der neuen Werkzeuge verstehen, sondern auch, wie sich diese Werkzeuge in ihre täglichen Aufgaben einfügen. Eine Technologie, so fortschrittlich sie auch sein mag, ist nutzlos, wenn sie nicht richtig eingesetzt wird. Unternehmen müssen in kontinuierliche Weiterbildung investieren, um sicherzustellen, dass ihre Teams in der Lage sind, das Beste aus den digitalen Werkzeugen herauszuholen.

Abschliessend, bevor sie sich in einen ungezügelten Wettlauf um die Digitalisierung stürzen, sollten sich Unternehmen unbedingt die folgende Frage stellen: Sind unsere operativen Prozesse optimiert, um die angestrebte Leistungsfähigkeit zu erreichen? Lautet die Antwort Nein, ist es an der Zeit, Ihre Arbeitsmethoden zu überdenken – und erst wenn diese Grundlage solide etabliert ist, kann die Digitalisierung ihr volles Potenzial entfalten.

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Autor

Xavier Schuster

Berater bei SXE Consulting. Industrieberatung mit Sitz in Luxemburg, 25 Jahre Erfahrung in operativer Exzellenz.

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